Aurora-Spektakel vom Feinsten!
- Walter Luttenberger
- vor 2 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 1 Tag
Eigentlich wäre ich ja gar nicht vor Ort gewesen, denn der reguläre Termin für meine Lofoten-Fotoreise ist immer erst Ende Jänner. Doch Mitte 2025 hat mich meine liebe Stammkundin Anna Muskulus kontaktiert und um insgesamt 6 Plätze für die Lofoten-Fotoreise im Jänner 2026 angefragt. Sie hat eine Gruppe miteinander befreundeter FotografInnen um sich geschart und seitdem unternehmen sie die Fotoreisen immer alle gemeinsam.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich allerdings schon 4 aktive Buchungen und mit 10 Teilnehmern ist mir die Gruppengröße eindeutig zu groß. Deshalb musste ich leider absagen. Aber Anna blieb hartnäckig und fragte, ob nicht ein gleich an meine Fotoreise anschließender Termin, exklusiv für ihre Gruppe, möglich wäre. Im Februar ist mir persönlich schon zu viel los auf den Lofoten und so einigten wir uns auf die Woche davor. Da hatte ich zwar nur eine knappe Woche zum Erholen, da ich kurz davor erst vom Venedig-Workshop zurückkam, aber gleichzeitig freute ich mich schon auf die Woche mit Annas Gruppe.

Also trafen wir alle Mitte Jänner auf den Lofoten ein und richteten es uns in unserer Unterkunft, dem großen weißen Haus auf dem Hügel von Sakrisøy gemütlich ein. Die Berge waren dezent mit Schnee bedeckt, im Flachen lag kaum Schnee, aber grundsätzlich hatten wir sehr gute Bedingungen zum Fotografieren.
Wie üblich im Winter, zeigte sich die Sonne eher spärlich, beleuchtete und färbte aber fast den ganzen Tag sehr schön, die durchziehenden Wolken. Es kann während einer Woche auf den Lofoten auch komplett bedeckt sein und es können im Winter auch schwere Stürme durchziehen.
Was ich allerdings vorher noch nicht erlebt hatte, war, was ab dem dritten Tag unserer Fotowoche passierte:
Strahlender Sonnenschein und nur gelegentlich kleine Wolken am Himmel!
Das bedeutete ein komplettes Umdenken in der Organisation. Denn normalerweise ist man auf die bunten Wolken am Himmel konzentriert und sucht sich Motive, die mit diesem Himmel gut kommunizieren. Doch bei der ständig tiefstehenden Sonne, kam das Licht zwischen den ganzen Bergen nicht wirklich zur Geltung. Deshalb probierten wir neue Locations aus und waren viel unterwegs. Und dann, am Nachmittag des 4. Tages bimmelten auf einmal alle unsere Mobiltelefone und wir wussten schon: Da kommt etwas Besonderes auf uns zu.
Die Vorhersagen für die Nordlichter waren bis zu diesem Zeitpunkt auch schon sehr gut und wir hatten in den Nächten davor schon 2x Nordlichter mit Kp 4 fotografiert. Schöne, sich langsam bewegende, grüne Nordlichter. Soweit alles gut. Doch jetzt sahen wir alle auf unserer Nordlichtervorhersage-App eine satte
Kp 8 für die kommende Nacht angekündigt. Ich selbst hatte bis zu diesem Zeitpunkt erst Nordlichter der Stärke Kp 5 auf Island miterleben dürfen.
Wir hatten alle sofort realisiert, dass es sich hier um ein ganz besonderes Erlebnis handelte und starteten umgehend mit den Vorbereitungen:
Ideale Locations wurden umgehend ausgesucht, Akkus geladen, Kameraeinstellungen wurden voreingestellt, ein frühes Abendessen wurde zubereitet. Dann hieß es warten.
Als es schließlich losging waren wir bereit, aber wir waren nicht wirklich vorbereitet auf das, was sich vor bzw. ober uns, am Nachthimmel abspielte:
Farben, die wir noch nie gemeinsam auf einer Nordlichter-Aufnahme gesehen hatten, tanzten wie wild über den Himmel. Wir hielten die Belichtungszeiten kurz, um so viele Bewegungen wie möglich, einzufangen. Zum Durchschnaufen blieb praktisch keine Zeit. Über eineinhalb Stunden lang beobachteten und fotografierten wir gespannt das Spektakel am Nachthimmel über den Lofoten.


Gegen Mitternacht nahm die Leuchtkraft der Nordlichter deutlich ab und wir beschlossen zu Bett zu gehen, denn wir wollten um 04.30 Uhr wieder raus, weil der Höhepunkt der Intensität für den frühen Morgen angesagt war.
Um 05.00 Uhr trafen wir am Skagsanden Beach ein und uns bot sich ein komplett anderes Bild. Die Farben hatten jetzt komplett gewechselt und es erwartete uns ein intensives Violett, gemischt mit den bekannten grünen Lichtern. Wir fotografierten und staunten bis es schließlich zu hell wurde.
Viel Schlaf hatten wir nicht abbekommen, wir mussten allerdings gleich in Richtung Norden fahren, um den an diesem Tag vereinbarten Termin mit den Seeadlern pünktlich einzuhalten. Also rauf nach Svolvaer und nichts wir rein in das Abenteuer. Trotz der Müdigkeit bei der Anfahrt waren wir dank des eingeschossenen Adrenalins auf der Bootsfahrt zu den Adlern, plötzlich wieder putzmunter. Auch hier kam uns der wolkenfreie Himmel zu Gute und wir hatten
beste Bedingungen, um die Seeadler in Szene zu setzen.

Nach dem anschließenden Mittag-/Abendessen waren wir alle ziemlich geschafft und machten uns ziemlich übermüdet auf den Weg zurück in die Unterkunft.
Was wir an diesem Tag und in der Nacht zuvor erlebt hatten, mussten wir eigentlich erst richtig verdauen.
Doch es kam natürlich anders.
Während der Fahrt in den Süden begann es wieder heftig am Himmel zu leuchten und ich suchte hektisch einen guten Platz, um ein passendes Motiv im Vordergrund zu haben. Der Platz, der mir vorschwebte war noch zu weit entfernt, sodass wir zu viel auf der Fahrt dorthin verpasst hätten. Also musste ich improvisieren. Die gefundene Location war zwar nicht optimal, aber schon ziemlich gut für unsere Zwecke. Dieses Mal befand sich eine riesige Kuppel aus farbigem Licht über uns, die sich ständig bewegte. Auch das Adrenalin kehrte umgehend zurück und so fotografierten wir eine weiter Stunde freudestrahlend, bis wir dann spätabends und hundemüde in unsere Unterkunft zurückkamen.
Erst am kommenden Tag erfuhren wir dann, dass die Nordlichter eine offizielle Stärke von Kp 8,7 hatten und somit die stärksten Polarlichter seit dem Beginn der offiziellen Aufzeichnungen vor 31 Jahren waren.
Zu unserem Glück, gerade in der richtigen Woche auf den Lofoten zu sein, kam also auch noch das Wetterglück, mit einem wolkenfreien Himmel für mehrere Nächte und die Tatsache, dass nicht nur ein normaler Sonnensturm aufzog, sondern der stärkste Sonnensturm seit Beginn der Aufzeichungen im Jahr 1995.
Soviel Glück macht mich sehr demütig und ich bin Anna Muskulus und ihrer Fotografengruppe sehr dankbar, dass sie unbedingt mit mir zu einem Sondertermin auf die Lofoten wollten.








































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